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Schließung des Klanghauses droht

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Dominik Brück
@dobrueck

| M.A. Politikwissenschaft | E-Mail: brueck@hh-mittendrin.de

Dem Klanghaus in Billbrook droht aufgrund einer drastischen Mieterhöhung die Schließung. Seit 1997 bietet der Komponist und Instrumentenbauer Ferdinand Försch hier Konzertveranstaltungen und Musikprojekte für Schulen an. Die Bezirkspolitik hat dem Künstler bereits Unterstützung zugesagt, doch die Zeit drängt.

Ferdinand Försch hat bereits begonnen CDs, Bücher und persönliche Gegenstände in Kisten und Kartons zu verpacken. Der 62-Jährige rechnet jederzeit damit das Klanghaus in der Berzeliusstraße in Billbrook schließen zu müssen. Seit August befindet sich das Klanghaus im Besitz der Nordelbe Grundstücksverwaltung. Das Unternehmen hat bereits deutlich gemacht, dass eine Mieterhöhung geplant ist. „Das Gebäude hat bereits vier Mal den Eigentümer gewechselt. Jedes Mal ist die Miete gestiegen. Eine erneute Erhöhung kann ich nicht mehr bezahlen“, sagt Försch.

Der Künstler hat das Klanghaus 1997 gegründet, um hier mit eigenen Klanginstallationen und selbst entworfenen Musikinstrumenten zu experimentieren. Zusätzlich wollte Försch internationalen KünstlerInnen, die bei traditionell ausgerichteten Spielstätten keine Chance erhalten, die Möglichkeit geben aufzutreten. „Ich hatte den Plan hier ein Zentrum für internationale Klangkunst zu gründen“, erklärt Försch. Die Voraussetzungen hierzu schienen ideal. Nach einem Studium der Komposition, Perkussion und elektronischen Musik bricht Försch 1982 mit traditionellen Musikformen und beginnt mit selbst entwickelten Instrumenten zu experimentieren. Es folgen Engagements in New York, Shanghai und westafrikanischen Staaten. Auch in Hamburg ist das Projekt von Ferdinand Försch sehr erfolgreich. „Bei jedem Auftritt hier war das Klanghaus bis auf den letzten Platz besetzt“, erinnert sich Försch.

Die Probleme beginnen, als die Kulturbehörde 2004 die Fördermittel für das Klanghaus streicht. „Alle Institutionen unter 70 Sitzplätzen wurden damals als nicht förderungswürdig eingestuft“, sagt Försch. Das Klanghaus kann 50 ZuschauerInnen Platz bieten. Ohne die Förderungen kann Försch die Honorare für die Auftritte von KünstlerInnen nicht mehr bezahlen. Er beginnt Musikprojekte für Schulklassen anzubieten und Veranstaltet private Events. Zusätzlich bietet Försch auf Anfrage Führungen durch seine umfangreiche Sammlung an Klanginstallationen, Musikinstrumenten und Plastiken an. Weit über hundert hat Försch in Billbrook ausgestellt. Alle Instrumente sind Eigenkonstruktionen. Viele, wie die sogenannte Bach-Harfe, nur für ein einziges spezielles Musikstück entworfen. Kreativität und Experimentierfreude stehen daher auch bei den Schulprojekten im Klanghaus im Vordergrund. „Jedes Kind kann für Musik begeistert werden, wenn man die nötigen Freiheiten zum ausprobieren gibt“, sagt Försch. Das Klanghaus sollte der Ort für diese Form der Kreativität sein.

Die Projekte und Führungen haben bisher ausgereicht, um das Klanghaus am Leben zu erhalten. Durch die drohende Mieterhöhung ist Försch jetzt am Ende seiner finanziellen Möglichkeiten angelangt. „Ich habe mich bereits damit abgefunden, dass ich hier raus muss. Ich würde mir nur wünschen, genügend Zeit zu haben, um etwas Neues zu finden“, sagt Försch. Bis Mitte 2014 wird der Künstler an einem Projekt im Thalia Theater arbeiten. Danach wäre er bereit eine neue Bleibe für sein Projekt zu suchen. Sollte die Miete jetzt erhöht werden, wäre jedoch innerhalb von drei Monaten Schluss.

Auf Anfrage von Mittendrin beschäftigt sich jetzt auch die Bezirkspolitik mit dem Fall des Klanghauses. „Wir werden das Thema am Montag sofort im Kulturausschuss ansprechen“, sagt Bernhard Stietz-Leipnitz, Fraktionsvorsitzender der Linken in der Bezirksversammlung. Auch SPD und Grüne haben bereits signalisiert, das Klanghaus unterstützen zu wollen. „Vielleicht kann man die Situation auch als Chance nutzen“, sagt Försch. An einem geeigneten Standort könnte sein Zentrum für internationale Klangkunst doch noch Wirklichkeit werden und internationalen KünstlerInnen eine Heimat bieten. „Das wäre dann in Deutschland einmalig“, sagt Försch. Aktuell wird die Ansiedlung von Kulturschaffenden am Veringkanal in Wilhelmsburg im Bezirk diskutiert. Ob so für die Bezirkspolitik eine Möglichkeit besteht das Klanghaus zu erhalten, muss jedoch noch geprüft werden.

Kommentare anzeigen (4)

4 Kommentare

  1. Erich

    20. September 2013 at 22:08

    Nicht nur der Kulturausschuß beschäftigt sich mit diesen Tema, sondern auch der Regionalausschuß Billstedt !! Ohne mich hätte das keiner erfahren, denn ich habe die Hühner aufgescheucht !! ich habe mit Werner Frömming aus der Kulturbehörde für Referatsleitung Kulturprojekte angesprochen, und der hat mir gesagt, das Ferdinand Försch helfen würde, wenn er sich bei ihm meldet !! So wie ich von Ferdinand weiß, läuft es ganz so wie man es sich wünscht !! Ich habe die Kontaktirert, die für Kunst und Kultur zuständig sind, nun laß ich mich selbst überraschen, wie es mit dem Klanghaus und Ferdinand Försch weiter geht !! Am Montag werde ich zum Kulturausschuß des Bezirks-Mitte fahren, um zu sondieren, was da so gesagt wird !!

    Verfasser dieser Mitteilung, Erich Heeder – Stadtteilkünstler

  2. Erich

    24. September 2013 at 14:52

    Am gestrigen Tage hat der Kulturausschuß des Bezirk-Mitte, im Kulturladen St.Georg getagt !! Auxch ferdind Försch war anwesen, so wie ich auch !! Denn mein Intresse ist riesig, was mit dieser Einrichtung passieren soll !! Es hat sehr lange gedauert, so das Ferdinand öfters hinaus gehen mußte, um sich mit zwei Zigarretten zu beruhigen !! Er wurde von der Vorsitzende des Ausschuß gebeten, sich in der Runde Platz zu nehmen !! Ferdinand Försch verteilte einige INFOS erst ein mal, um sein Klanghaus so vor zu stellen !! Und nach dieser Vorstellung, stellte er sich und sein Haus vor !! Er erzählte, das er dieses Haus mal zu einem Preis von 500, 00 Euro gemietet hatte, weil ihm dieser Besitzer sehr wohl gesonnen war !! Numn wurde aber dieses haus in der Berceliusstrasse mehr mals verkauft, so das die Miete bis über 2000,00 € anstieg !! Das sich Herr Försch dies nicht mehr leisten kann,ist wohl allen klar !! Er hat dem jetzigen Besitzer, noch eine Frist bis zum Sommer 2014 heraus holen können !! Allen die da waren, ist klar, das man dieses Haus mit Inhalt, und Herrn Försch helfen muß !! Herr Försch hat sich bei allen bedankt, das ihm zugehört wurde !! Viele im Kulturausschuß kannten diese Einrichtung gar nicht,
    was uns alle mal zu denken geben sollte !! Denn diese Einrichtung mußte vor 10 Jahren schon mal ums überleben kämpfen !! Ich kann nur so viel sagen, wir passen auf, wie es weiter geht, mit dem KlangHaus und Herrn Försch !!

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