Politik

„Hamburg ist bunt, dafür liebe ich es.“

Politik
Mathias Eichhorn
@matsquirrel

*1981 in Parchim (MV) | Bankkaufmann | Magister in Politikwissenschaft | Angestellter der FHH

Bereits vor drei Wochen berichtete Mittendrin über den Kauf der ehemaligen evangelischen Kapernaum-Kirche in Horn. Mittlerweile ist der Umbau der ehemaligen Kirche in eine Moschee ein bundesweites Gesprächsthema. Wer ist Al-Nour und was haben sie in Horn vor? Wir haben mit dem Vorsitzenden des islamischen Zentrums Al-Nour, Daniel Abdin, gesprochen.

Daniel Abdin (49) ist seit 10 Jahren Vorsitzender des islamischen Zentrums Al-Nour sowie der Schura Hamburg und seit 30 Jahren überzeugter Hamburger. Die sunnitische Gemeinde der Al-Nour-Moschee existiert schon länger. Seit 20 Jahren beten ihre Gläubigen in Hamburg St. Georg. „Damals“, so erzählt Abdin, „waren wir sieben Personen, heute erscheinen zum Freitagsgebet bis zu 600 Menschen aus 30 Nationen“. Ihre Moschee entspricht jedoch eher einer Notunterkunft, als einem Gotteshaus. Die ehemalige Tiefgarage im Kleinen Pulverteich besticht durch tiefhängende Decken und zahllose Pfeiler. Sie hat den Charme eines dunklen Kellers. Sie ist nicht der ideale Ort, um einen Glauben in Würde zu feiert, Ehen zu schließen  und Verstorbener zu gedenken. Al-Nour bedeutet soviel wie „Licht“. In dieser Tiefgarage kann die Al-Nour ihrem Namen nicht gerecht werden.

Seit über 8 Jahren ist Al-Nour daher auf der Suche nach einem würdevollen Gotteshaus. Stets scheiterten sie an Bebauungsplänen, Nutzungsvorschriften oder anderen Hürde. Dann stieß Daniel Abdin vor einiger Zeit per Zufall im Internet auf den Verkauf einer ehemaligen Kirche in Horn. Zunächst habe er sich gefragt, wieso man so ein Haus verkauft. Dann griff er zum Telefonhörer und rief den zuständigen Makler an. Abdin habe sich mehrfach versichern lassen, dass der Eigentümer des Hausen nicht mehr die Kirche sei. Der Respekt vor den anderen Religionen verbiete die Umwandlung einer genutzten Kirche in eine Moschee. „Wir sind alles Völker der Offenbarung. Die Kirche sollte jedoch als Gotteshaus erhalten bleiben.“

Al-Nour beziffert die Kosten einer Sanierung der Kirche und des Umbaus mit ca. 1 Millionen Euro. Wie schon der Kauf des Gebäudes, soll das Vorhaben durch Spenden finanziert werden. Die Pläne, die Abdin stolz vorlegt, zeigen, dass sich die ehemalige Kirche äußerlich kaum ändern wird: „Sie wird wieder aussehen wie neu“. Allein der Eingangsbereich wird etwas offener, jedoch ohne den Gesamteindruck zu ändern. Und natürlich wird das Kreuz auf dem Turm durch einen Halbmond ersetzt. Im Innern wird sich das Haus freilich verändern müssen. Es werden neue Waschräume installiert, um sich vor dem Gebet säubern zu können. Der christliche Altar wird entfernt, der Gebetsraum wird nach Mekka ausgerichtet und es werden getrennte Gebetsräume für Männer und Frauen gebaut. Zudem kommen Reliefs an die Wand, die islamische Symbole zeigen. Die bisherigen Fenstermosaike bleiben vollständig erhalten, die Lampen werden ausgetauscht. Das Dach bekommt zwei Glasöffnungen, um mehr natürliches Licht in die Gebetsräume fließen zu lassen. Dann würde die neue Al-Nour-Moschee ihrem Namen gerecht.

Im Gespräch mit Daniel Abdin wird deutlich, dass die befürchtete Parkplatzproblematik kein Thema ist. Schon heute kommen fast alle Gläubigen zu Fuß oder mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zum Gebet. Nur sehr wenige kommen mit dem Auto. Das wichtigste Gebet, das Freitagsgebet, findet, je nach Mondkalender,  freitags zwischen 12 Uhr und 14.30 Uhr statt. Das ist die Zeit, in der die meisten Gläubigen in die Moschee gehen werden und die 250 bis 300 Plätze auslasten. „Zu den anderen Gebetszeiten kommen oft nur eine handvoll Menschen. Die Leute müssen schließlich arbeiten oder schlafen am Wochenende mal aus. Außerdem“ so führt Abdin fort: „werden einige unserer Brüder und Schwestern nicht mit nach Horn kommen und sich in St. Georg eine neue Moschee suchen.“

Ebenso gelassen wie die Bedenken zur Parkplatzsituation nimmt Daniel Abdin auch die öffentlichen Reaktionen auf den Kauf der ehemaligen Kirche auf: „Bisher berichtet die Presse sehr konstruktiv. Natürlich kann jeder seine Meinung frei äußern. Und natürlich sind wir uns bewusst, dass dieses Thema sehr sensibel ist. Wir wünschen uns jedoch auch Verständnis für unsere Situation.“ Abdin unterstreicht außerdem, dass er bereits länger im Gespräch mit den anderen Glaubensgemeinschaften in Hamburg ist. Immerhin hat er den Staatsvertrag zwischen den islamischen Gemeinden und der Stadt Hamburg mit ausgehandelt: „Wir haben einen wunderbaren Dialog.“ Abdin spricht zudem mit der evangelischen Gemeinde und der Lokalpolitik in Horn: „Es haben sich noch nicht alle Parteien für Gespräche angeboten, aber wir sprechen mit jedem der Fragen hat und gehen vor allem auf die Horner zu.“ Noch bis Ende Februar will sich Al-Nour mit den Plänen für die neue Moschee öffentlich vorstellen. „Wissen Sie,“ sagt Abdin „Ablehnung ist meistens eher ein Zeichen von Nicht-Wissen und Unsicherheit. Mit einem aufrichtigen Dialog kann man Berge versetzen. Und diesen Dialog wollen wir so früh wie möglich beginnen.“

Al-Nour hat bereits Erfahrungen mit diesem Dialog. Schulklassen besuchen seit Jahren die Moschee regelmäßig und informieren sich über den Islam. Neben dieser Kooperation mit der Behörde für Schule und Bildung gibt es Sprachkurse für Deutsch und Arabisch, Koran-Kurse für alle Interessierten und weitere Angebote. Abdin betont: „Unser Imam Hr. Samir El-Rajab ist ein wunderbarer Mensch. Er fordert Engagement. Er ist seit 10 Jahren selbst gesellschaftlich äußerst aktiv, gemäßigt und macht eine hervorragende Arbeit.“ Er möchte, dass seine Gemeinde ein aktiver Teil des Lebens in Horn wird. Daniel Abdin kündigt daher an, dass sich die Gemeinde in Zukunft am Stadtteilfest beteiligen wird. Wer  kleine oder große Probleme hat und Hilfe benötigt, einfach nur neugierig ist oder einen ruhigen Ort sucht, dem stehen die Türen der Moschee offen. „Schließlich ist eine Moschee nicht alleine eine religiöse Pilgerstätte, sie ist vor allem ein sozialer Treffpunkt und ein Raum für das tägliche Leben. Außerdem möchten wir gute Nachbarn sein.“

Abdin wünscht sich, dass die Horner Moschee zum 3. Oktober 2013 öffnen wird. Die Arbeiten könnten schon im Mai beginnen. „Ich hoffe sie wird nicht zu teuer. Wir bauen ja schließlich kein zweite Elbphilharmonie.“ Er unterstreicht: „Wir alle sind Deutsche und für uns ist der Tag der Deutschen Einheit ein wichtiger Tag. Außerdem ist der 3. Oktober der Tag der offenen Moscheen. Es wäre wunderbar, auf diese Weise zusammen mit unseren Brüdern und Schwestern sowie allen unseren Gästen und Besuchern in Horn zu starten. Es wäre ein tolles Symbol.“ Das Gespräch beendet Daniel Abdin mit einem Wunsch: „Ich wünsche mir, dass Moscheen stärker  gefördert würden, so dass mehr gemeinden die Chance erhalten, in Würde ihren Glauben auszuüben.“

Kommentare anzeigen (2)

2 Kommentare

  1. Erich Heeder

    11. Februar 2013 at 14:02

    Wir alle sind offen für Dialoge, aber wenn Frau-Mann sie verlangt, bekommt man keine !! Die meisten sondern sich ab,viele tun so, als ob sie was zu verbergen haben,da bei können Dialoge so schön sein !! Seit meine Jugend habe ich mit anderen Nationen zu tun,und es freut einen immer,tolle Menschen kennen zu lernen !! Ich kann alles verstehen,aber eins werde ich nie verstehen,wenn Frau-Mann meint, das alles von allein passiert !! Da ich mit vielen Nationen zusammen komme, frage ich mich immer:“Wie so ermöglichen immer wir es, das unsere Mitmenschen gut behandelt werden ??“ Ich weiß aber auch,das in anderen Ländern so etwas nie möglich währe, was wir anderen Nationen ermöglichen !! Warum und weshalb dann diese Distanzzierung uns gegen über?? Alle leben so vor sich hin, niemand,will mit niemandem zu tun haben, und das gibt mir immer zu denken !! Ich kann ja nichts verlangen, von unseren Mitmenschen,aber wir sollten doch mal näher zusammen rücken !! Egal an wem, oder was ich glaube, ich glaube an meine Mitmenschen, und das reicht mir !! Ich werde so gar in andere Kulturvereine eingeladen, bloß wenn ich dann da bin, bin ich der Fremde im eigenen Land !! Das man dann ein komisches Gefühl hat,
    kann wohl jeder nach vollziehen !!

    Das jetzt aus dieser Kirche (die abgerissen werden sollte) eine Mosche wird, spricht ja nichts da gegen !! So lange wie sich dort nicht selbst issoliert wird,spricht nichts da gegen !! Denn es kann nicht sein, das alle Glaubensgruppen keine Mitbürgerbeteiligung pflegen !!Seit 1987 gibt es das Internationale
    Freundschaftsfest in Mümmelmannsberg,und ohne die Mitbürger-Innen würde dieses Fest so nicht geben !! Alle Nationen in Hamburg sollten mehr Bürgernähe praktizieren, und mehr mals im Jahr mit ihnen zusammen etwas tun, ohne Religion !! Nur so kommt Frau-Mann sich näher !! Ich wünsche jeden falls, das es ein besseres zusammen Leben geben wird, als vor her in der Tiefgarage !!

    Mit freundlichem GRuß, E. Heeder Stadtteilkünstler – Autor,Dichter, und Songtexter

  2. Pingback: Kapernaum: Gotteshäuser sollen versöhnen, nicht spalten! » Hansjörg Schmidt (SPD Bürgerschaftsabgeordneter Hamburg Horn)

Artikel kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Mehr in Politik

Demonstration Golden Pudel, 19.2.2016, Foto: Isabella David

Demo für den Pudel Club: „Unsere Ruine kriegt ihr nicht!“

Isabella David20. Februar 2016
1-Michael_Neumann_SPD1

Innensenator Neuman tritt zurück – Grote wird Nachfolger

Isabella David18. Januar 2016
Winternotprogramm Münzviertel, Oktober 2015, Foto: Isabella David

Petition an die Sozialbehörde: „Das Winternotprogramm tagsüber öffnen!“

Isabella David8. Januar 2016
Tegida Demo Januar 2015, Foto: Henry Lührs

Anpacken statt lang schnacken – das war 2015 in Hamburg-Mitte

Isabella David31. Dezember 2015
Tagesstätte für Geflüchtete, Bieberhaus, Foto: Isabella David

Tagesstätte für Geflüchtete im Bieberhaus: „Vieles ist improvisiert“

Isabella David17. Dezember 2015
Schulstreik 2013, Foto: Dominik Brück

Schüler demonstrieren: „Bleiberecht statt Waffenexporte“

Isabella David17. Dezember 2015
Hosemann, City-Hof, Foto: Isabella David

Interview: „Dem City-Hof ein Denkmal setzen“

Isabella David10. Dezember 2015
FOTO: POLITIKWERFT DESIGNBÜRO

„Basta-Politik gescheitert“: Scholz nach Olympia-Referendum in der Kritik

Isabella David9. Dezember 2015
Olympia in Hamburg

Diskussion: Olympia in Hamburg – ja oder nein?

Mittendrin27. November 2015

Rund um Billstedt, Billbrook und Horn atmet die grüne Lunge der Stadt. In Hamm, Rothenburgsort, Borgfelde, Hammerbrook, St.Georg, der Alt- und Neustadt, und auf St. Pauli riecht und schmeckt man Hamburg an jeder Straßenecke. Die Hafencity glänzt und glitzert im Schatten der dicken Pötte und Kräne.

Die andere Seite der Elbe auf der Veddel, in Wilhelmsburg, auf dem Kleinen Grasbrook, in Steinwerder, Waltershof, Finkenwerder und auf der Insel Neuwerk lässt hanseatische Tradition spürbar werden.

Das ist Hamburg-Mitte, unser Bezirk inmitten einer lebhaften Stadt. So vielfältig wie seine Bewohner sind die Geschichten, die wir erzählen.

Mittendrin ist Name und Programm – täglich sind wir unterwegs und bringen euch spannende Reportagen, aktuelle Lokalnachrichten und ausdrucksstarke Bilder und Videos aus Hamburgs bunter Mitte.

Hamburger Geschichten

© 2012 - 2015 Mittendrin | Alle Rechte vorbehalten. Impressum - Umsetzung Politikwerft Designbüro.