Politik

Feuerfunken für Fabiola

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Dominik Brück
@dobrueck

| M.A. Politikwissenschaft | E-Mail: brueck@hh-mittendrin.de

Der Fall der Familie Cruz beschäftigt seit Monaten die Härtefallkommission der Hamburgischen Bürgerschaft. Die  Familie kam vor sechs Jahren von Honduras nach Deutschland. In Hamburg haben sie sich ein neues Leben aufgebaut. Der Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung wurde abgelehnt. Seitdem lebt die Familie in ständiger Angst vor einer möglichen Abschiebung. Am 06. Dezember wird die endgültige Entscheidung über die Aufenthaltsgenehmigung getroffen. Rund 1000 Hamburgerinnen und Hamburger gingen am Montag auf die Straße, um die Familie Cruz zu unterstützen.

In den Dezembertagen stellt die Hamburger Innenstadt ihren ganzen Reichtum zur Schau. Überall glitzert und funkelt es. Die Schaufenster der Läden sind aufwendig dekoriert. Die Regale quellen über mit Waren aller Art. Menschen eilen durch die Straßen und versuchen sich gegenseitig mit Geschenken zu überbieten. Zwischen dem bunten Treiben locken die Weihnachtsmärkte mit Glühwein, Bratwurst und Schmalzgebäck. Die Familie Cruz kann noch nicht sicher sein, ob das gemeinsame Weihnachtsfest ein glückliches werden wird.

Obwohl die drei Töchter in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen sind, weigern sich die Behörden eine Aufenthaltsgenehmigung auszustellen. Fabiola, Andrea und Maria haben in Hamburg Freunde gefunden und engagieren sich bei den Pfadfindern oder in der Schulband. Die 18-jährige Fabiola bereitet sich gerade auf ihre Abiturprüfung vor. Die Mädchen leben ein normales Leben. Nichts unterscheidet sie von ihren Freunden und Klassenkameraden. Nur ein Stück Papier macht sie anders.

Wer die Mädchen und die Familie kennt, hat sie schätzen gelernt. „Maria war in meiner Klasse. Sie soll hierbleiben, denn ich mag sie sehr gerne“, sagt Alina Ruiz. Die zehnjährige ist mit ihrer Mutter und vielen Schülerinnen und Schülern der Stadtteilschule Winterhude und der Max-Brauer-Schule zur Demonstration gekommen, um ein Zeichen für das Bleiberecht der Familie zu setzen. Die Schulen hatten die letzten Stunden ausfallen lassen, damit viele Schülerinnen und Schüler an der Veranstaltung teilnehmen können. „Die ganze Schule steht hinter der Familie“, sagt Frank Keil, dessen Sohn auf die Schule von Fabiola geht.

An diesem kalten Dezembertag sind nicht nur Freunde und Bekannte von den Mädchen gekommen. Viele andere haben von dem Schicksal der Familie gehört und wollen sie unterstützen. „Ich bin hier, um diese Abschiebung zu verhindern“, sagt die 21-jährige Studentin Nanne Weigmann. An der Universität Hamburg hat sie Unterschriften für das Bleiberecht von Fabiola und ihrer Familie gesammelt. Auch die Schulen sowie zahlreiche Initiativen und Einrichtungen haben Unterschriften zusammengetragen. Die Liste mit den insgesamt 11.500 Unterzeichnern wurde der Härtefallkommission übergeben.

Der Protestzug zieht vom Hauptbahnhof durch die Möckebergstraße bis in die Schmiedestraße, dem Sitz der Kommission. „Kein Mensch ist illegal“, ruft Lara Kriegisch. Die 16-jährige geht auf die gleiche Schule wie Andrea Cruz. Die übrigen Demonstranten stimmen mit ein. Die Rufe schallen durch die Hamburger Straßen. Vorbei an den beleuchteten Geschäften und hinweg über die Weihnachtsmärkte. Jeder soll von dem Schicksal der Familie Cruz erfahren. Die Demonstranten hoffen, dass ihre Stimmen auch bis an die Ohren der Kommission dringen. Je ein Vertreter der Parteien der Bürgerschaft sitzt in der Kommission. Für eine positive Entscheidung ist ein einstimmiges Ergebnis notwendig.

In der Abenddämmerung entzünden die Demonstranten Wunderkerzen. 1000 Lichter erhellen die Gesichter von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in dem Demonstrationszug. Tausende kleine Feuerfunken sprühen durch die eiskalte Luft. Glimmen bis zuletzt als Zeichen der Hoffnung für Fabiola und ihre Familie. „Im Namen meiner ganzen Familie bedanke ich mich bei euch“, ruft Fabiola in das Mikrofon. Die Umstehenden antworten mit tosendem Beifall. Am Donnerstag wird über das Schicksal der Familie Cruz entschieden.

Die aktuellen Entwicklungen hier.

Fotos: Jonas Walzberg

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