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Satire: Ein Sonntagsausflug nach St. Pauli oder in 5 Schritten zum Krawallmacher

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Dominik Brück
@dobrueck

| M.A. Politikwissenschaft | E-Mail: brueck@hh-mittendrin.de

Seit Sonnabend hat die Polizei St. Pauli und die Sternschanze zum Gefahrengebiet erklärt. AnwohnerInnen und BersucherInnen sollen durch die Maßnahme nicht belästigt werden. Wer dennoch einmal das Gefühl verspüren möchte, Hamburgs Most Wanted zu sein, sollte bei seinem Sonntagsspaziergang unsere Tipps beherzigen.

Sonntagnachmittag: Endlich einmal Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Elbe oder durch die verwinkelten Gassen von St. Pauli. Um das Gefahrengebiet, in dem seit Sonnabend rund 200 Personen überprüft wurden, muss man sich ja keine Sorgen machen. Die Polizei hat schließlich angekündigt, mit Augenmaß vorgehen und AnwohnerInnen und BesucherInnen des Viertels nicht belästigen zu wollen. Den Beamten geht es ja nur darum, nach ganz bestimmten Kriterien Personen aus der Masse herauszugreifen. Wer seinen Sonntagsspaziergang etwas aufregender gestalten möchte, muss also gut vorbereitet sein, um überhaupt aufzufallen. Da es wirklich schwer ist, verdächtig zu wirken, haben wir ein paar Tipps für einen spannenden Nachmittag auf St. Pauli zusammengestellt.

Zieht euren schwarzen Mantel an!

Es ist ja nicht so, dass ihr eure Winterjacke gekauft habt, weil sie euch im Laden gefallen hat. Nein, sicher habt ihr schon damals daran gedacht, wie gut so ein schwarzer Mantel sich einmal in einem Gefahrengebiet machen könnte. Schwarz tragen ja bekanntermaßen nur Autonome und solche Personen, die nichts gutes im Schilde führen. Habt ihr euren Mantel tatsächlich nur gekauft, weil euch schwarz einfach gut steht, ist das aber auch kein Problem. Die Beamten sehen meist nicht so genau hin und können auf die Entfernung gar nicht beurteilen, ob ihr nur zufällig schwarz tragt oder im nächsten Moment zum Angriff übergeht. Das können wir uns für unseren Ausflug zunutze machen und haben den ersten Teil unserer Krawallmacheroutfits schnell im Schrank gefunden.

 

Tragt einen schwarzen Kapuzenpulli!

Auch das zweite Kleidungsstück für das perfekte Verbrecheroutfit findet sich leicht in jedem Kleiderschrank. Einen schwarzen Kapuzenpulli findet doch sicher jeder zuhause. Der Pullover ist ideal, da er euch nicht nur sofort als potentieller Gewalttäter erkennbar macht, sondern auch über die Zusatzfunktion Kapuze verfügt. Am besten ist es daher für euren Spaziergang, einen kurzen Regenschauer abzuwarten. Mit einer aufgesetzten Kaupuze wirkt ihr sofort wie ein echter Krawallmacher. Ihr habt euch tatsächlich nur vor dem Regen schützen wollen? Umso besser! Da ihr euch bewusst unverdächtig verhaltet, seid ihr im Gefahrengebiet gleich noch verdächtiger. Nicht umsonst konnen Kontrollen ja ohne einen bestehenden Verdacht durchgeführt werden.

 

Habt eine Sonnenbrille dabei!

Auch wenn es nicht regenen sollte, muss das euch nicht den aufregenden Spaziergang durch das Gefahrengebiet verderben. Eine Sonnenbrille ist nämlich nicht nur dazu da, eure Augen bei schönem Wetter vor der Sonne zu schützen. Stattdessen wurde die Sonnenbrille erfunden, um bei Krawallen die Identifikation von Tätern zu erschweren. Wenn ihr ein solches Objekt tragt oder dabei habt, steigt der Nervenkitzel im Gefahrengebiet gleich um ein Vielfaches!

 

 

 

Habt ein Bier in der Tasche!

Ihr nehmt sowieso gerne eine Flasche Bier mit, um sie gemütlich am Elbstrand zu trinken. Das ist perfekt! Normalerweise gilt auf St. Pauli an Wochenenden von 22 Uhr bis 6 Uhr ein Glasflaschenverbot. Im Gefahrengebiet müsst ihr euch aber keine Sorgen machen: Eure Flasche Bier macht euch bei einer Kontrolle trotzdem verdächtig, da ihr das Objekt ja als Wurfgeschoss dabeihabt. Für noch mehr Aufregung nehmt gleich einen ganzen Rucksack voller Flaschen mit und versichert bei einer Kontrolle lautstark, dass ihr unschuldig seid und das Bier für eure Freunde ist. Für zusätzlichen Nervenkitzel sollten eure Flaschen bereits leer sein. Wer dann auch noch behauptet, auf dem Weg zum Pfandcontainer zu sein, muss etwas zu verbergen haben und steht schon mit einem Bein im Gefängnis.

 

 

Vergesst euren Personalausweis!

Das i-Tüpfelchen für euren spannenden Spaziergang auf St. Pauli ist der vergessene Personalausweis. Nehmt Abstand von eurer bisherigen Praxis, vor jedem Verlassen des Hauses genau zu prüfen ob ihr euren Ausweis dabei habt. Wenn ihr das Dokument einfach mal in eurer anderen Hose vergesst, ist euch eine aufregende Verlängerung eures Sonntags garantiert. Besonders empfehlenswert ist das für alle, die schon immer mal eine Polizeiwache von Innen besichtigen wollten.

 

 

 

Wir hoffen, dass wir euch mit unseren Tipps die Langeweile am Sonntag vertreiben konnten. Wem ein Spaziergang auf St. Pauli nicht genug ist, trifft sich am besten mit vielen anderen Menschen zu dem lustigen Spiel „Danger Zone“, das gerade auf Facebook verbreitet wird. Auch bei „Danger Zone“ gilt natürlich, wie für unseren Artikel: ACHTUNG, SATIRE!

Bilder: pixelio.de

Kommentare anzeigen (12)

12 Kommentare

  1. dIRk

    5. Januar 2014 at 11:36

    Pseudo-Satire. So ein Kinderquatsch.

  2. Stefan @ Dirk

    5. Januar 2014 at 13:30

    Aus dem „Kinderquatsch“ wird bitterer Ernst, wenn Du Dich an die „Empfehlungen“ im Artikel hälst

  3. An

    5. Januar 2014 at 13:55

    Dies ist nun das Resultat der Arbeit der friedlichen Demonstranten, die uns das ganze Viertel demoliert haben (Einwohneramt, Geschäfte, Haspa, u.s.w.). Ich hoffe, dass diese Idioten künftig in ihren Vierteln friedlich wüten.

    • Cm

      5. Januar 2014 at 16:14

      ’’In einer Zivilisation, die aus ihrem Materialismus keinen Hehl macht und die materiellen Werte höher schätzt als die seelischen, ist es unvermeidlich, dass ein Vergehen gegen Eigentum und Besitz strenger bestraft wird als ein Vergehen gegen den Menschen.‘‘ Jack London

  4. Nina

    5. Januar 2014 at 14:06

    Ja stimmt wohl @Stefan. Satire sollte der Autor aber vielleicht doch lieber den Leuten überlassen, die es können.

  5. Daniel

    5. Januar 2014 at 14:51

    Schöner Text. Daumen hoch dafür. :-) Trotz des ernsten Themas.

  6. Pingback: #HH: Ein Abendspaziergang im Gefahrengebiet Hamburger Innenstadt | T*park

  7. rick

    5. Januar 2014 at 18:03

    @Nina
    und manchmal muss das Wort „Satire“ aus vers. Gründen vor einem Text stehen. Manchmal ist „Satire“ nämlich nicht nicht von einem „Aufruf“ zu unterscheiden… verstehste?
    😉

  8. dIRk

    5. Januar 2014 at 23:04

    HH-Mittendrin informiert inzwischen nicht nur, sondern macht Meinungsmache wenn man mal die aktuellsten Berichte liest. Ihre Meinung und meine sei mal in Ehren dahin gestellt – aber man sollte hier eine sachliche Berichterstattung erwarten. Hier wird ein bischen Journalismus geübt und nebenbei schreibt der Siegerländer eine Satire über die man nur müde drüberlesen kann. Das kann man sich wirklich getrost als Infokanal sparen. Am Ende ist es eine Randnotiz in ihrem Lebenslaufreferenzen.

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