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Jan Freitag

Freier Journalist und Autor | Blog: http://freitagsmedien.com/ | Schreibt bei Mittendrin über die "Wahnsinnsstadt" Hamburg und den wöchentlichen TV-Dschungel

freitagsmedien_Spukki-2_Seite_1Jan Freitag hat sich durch den Fernsehdschungel dieser Woche gekämpft und dabei ungewollte Comedy gefunden.

Die Nachwelt dürfte noch ein wenig brauchen, um abschließend zu beurteilen, ob Klaus Wowereit für irgendetwas in seiner sexy Pleitestadt Dank verdient. Eins aber hinterließ sein überraschender Abschied: Dienstagabend lief die erste „Tagesschau“ seit der WM, in der es zum Auftakt nicht um Krieg, Terror, Verwüstung ging. Das war mal echt gut so.

Gut so war praktisch zeitgleich auch die Verleihung der Emmys. In L.A. regnete es den weltweit bedeutendsten TV-Preis auf eine Serie, die ihr Medium verändert hat. Und somit die Antithese zum deutschen Fernsehen ist. Im TVLab gibt es sich aber immerhin mal Mühe, neue Wege zu gehen. Seit 2010 testet ZDFneo darin Formate für höhere Aufgaben, sprich: bessere Sendezeiten auf guten Sendeplätzen. Diesmal standen drei Serien zur Auswahl, von denen nur eine überzeugen konnte. Dass nicht „Jetzt ist Sense“, sondern die lausigste gewonnen hat, zeigt gefährlich wie nah der öffentlich-rechtliche Spartenkanal seiner Privatkonkurrenz zuweilen kommt. „Blockbustaz“ mit dem der Teenystar Eko Fresh als rappender Loser dilettiert so lieblos durch ein Kölner Hochhausghetto, dass „Familien im Brennpunkt“ fast anspruchsvoll erscheinen.

Nie etwas anders als Comedy

So gesehen würde die komikfreie Kiffercomedy besser donnerstags zwischen die Paarpiepshow „Adam und Eva“ und „Was wäre wenn“ passen, wo Jan Böhmermann und Katrin Bauerfeindt seit voriger Woche ihr Talent dem RTL-Publikum zum Fraß vorwerfen. Weil man von beiden so viel mehr erwarten kann als Abischerze mit miesen Studiodialogen, ist das sogar noch ärmer als die Breaking News von der Superstarsuche: Bohlens Jury wird 2015 von Heino, äh, verstärkt. Das ist natürlich ein berechenbarer Ritt auf der Erfolgswelle des rechtskonservativen Volksliedgreises im Metall verarbeitenden Gewerbe. Am Ende aber ist das der letztinstanzliche Beleg dafür, dass DSDS nie etwas anderes als Comedy war.

Apropos. Sie prägt auch die anstehende Woche wie selten. Gleich Dienstag gäbe es zur besten Sendezeit welche, die gar keine sein will und gerade dadurch irre ulkig ist. Sat1 meint es wirklich ernst, Veronica Ferres in „Die Staatsaffäre“ zur Kanzlerin zu machen, die sich als ehemaliger One-Night-Stand des neuen (schicken) Präsidenten Frankreichs erweist. Kompetent, juvenil, sportlich, sexy, modern, schlagfertig, nett, häuslich, alleinerziehend, volksnah und überhaupt am Rande der Perfektion vollkommen – gegen die Chuzpe, Deutschlands einsilbigste Schauspielerinnen seit Erfindung des Schweigeklosters zur unfreiwillig komischen Fantasiepolitikerin zu machen, hat selbst der freiwillig unkomische Ralf Schmitz keine Chance. Freitag eröffnet er auf RTL sein „Hotel Zuhause“, in das er fortan wechselnde Gäste zur Sitcom lädt. Schwer zu sagen, ob das dann schlecht geschrieben oder noch schlechter improvisiert ist.

Aber es gibt auch guten Humor

Weil man mit so was aber besser keine Lebenszeit vergeudet, sei doch lieber guter Humor empfohlen: Die 7. Staffel „Pastewka“, kurze Zeit später auf Sat1. Als sein eigenes Alter Ego heiratet Bastian P. zum Auftakt endlich seine Freundin. Beinahe zumindest. Zuvor jedoch mutiert er ungewollt zum Nazi, was in jeder Sekunde lustiger ist als Schmitz in einem Jahr.

Nicht zuletzt dank Michael Kessler, der in dieser Staffel erneut den Sidekick gibt. Er kann aber auch anders als witzig. In „Kessler ist…“ schlüpft der „Switch“-Parodist ab Donnerstag (22.05 Uhr) in wechselnde Promis von Schaffrath bis Llambi und interviewt sie dann als ebendiese, wodurch sie sich quasi selbst befragen, was zu höchst dialektischen Momenten führt. Etwas, das Markus Imboden regelmäßig schafft. Sein „Verdingbub“ etwa entlarvt Freitag (20.15 Uhr, Arte) die Schweizer Landidylle der Fünfziger als Sklavenhaltergesellschaft am Beispiel des Waisenkindes Max. Grandios erzählt, furios gefilmt – was der Regisseur mit Leo Carax gemeinsam hat, der seit „Die Liebenden von Pont Neuf“ (1991) neben Jean-Pierre Jeunet und Luc Besson als Star des neuen französischen Kinos gilt. Den Auftakt einer dreiteiligen Arte-Reihe macht Mittwoch (21.50 Uhr) „Holy Motors“, ein experimenteller Film über den schattenhaften Monsieur Oscar, der in 24 Stunden diverse Rollen von Bettler bis Industrieller einnimmt. Filmisch weniger grandios, aber Ursprung eines ganzen Genres ist dagegen der „Tipp der Woche“ nach Arthur Hailey: „Airport“ hat 1969 die Ära des Katastrophenfilms eingeläutet. Man kann ihm das übel nehmen oder danken, ignorieren kann man es nicht.

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