Stadtgespräch

Junge Köpfe für den Nahverkehr von morgen

Stadtgespräch
Dominik Brück
@dobrueck

| M.A. Politikwissenschaft | E-Mail: brueck@hh-mittendrin.de

Busse und Bahnen bringen täglich tausende Menschen an ihre Ziele in der ganzen Stadt. Welcher technische Aufwand dahinter steckt und wie Hamburg in Zukunft bewegt werden soll, entdeckte eine Gruppe Jugendlicher bei der Hochbahn.

Täglich rollt der öffentliche Nahverkehr mit hunderten Bussen und Bahnen durch Hamburg. Die meisten Fahrgäste machen sich kaum eine Vorstellung davon, welcher Aufwand hinter den Kulissen betrieben wird, um den reibungslosen Ablauf innerhalb des dichten Streckennetzes möglich zu machen. Einen Blick hinter die Kulissen konnte eine Gruppe Jugendlicher im Rahmen des Sommercamps des Faszination Technik Clubs werfen. In Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften und der Hochbahn, wurde die Gruppe durch die U-Bahn-Werkstätten der Hochbahn in Barmbek geführt und durften einen Blick auf die Wasserstoff-Tankstelle für den Busverkehr werfen – ein spannender Tag für die Ingenieure und Techniker von morgen.

Strom treibt den Verkehr der Zukunft an

Für manche war es die erste Fahrt in einem der durch Wasserstoff betriebenen Elektrobusse, die von der Hochbahn derzeit in der Stadt erprobt werden. Sofort sticht der Unterschied zu normalen Bussen ins Auge: Die Fahrt ist wesentlich leiser und ruhiger, als man es gewohnt ist. „Das Fahrgefühl ist einfach toll“, erklärt auch Joachim Will, seit zehn Jahren für die Erprobung neuer Fahrzeuge und Technologien bei der Hochbahn zuständig. Will führt den Jugendlichen heute die Wasserstofftankstelle in der HafenCity vor und ist selbst überzeugt von der zukünftigen Bedeutung der Elektromobilität. „Ich bin stolz jetzt dabei zu sein, denn der Verkehr der Zukunft wird sicher von Strom angetrieben werden“, sagt Will.

Bis 2030 will die Hochbahn daher alle Dieselfahrzeuge aus dem Verkehr ziehen. Für Will ist Wasserstoff derzeit ein ideales Antriebsmittel, da dieser durch Strom produziert werden kann, der in Deutschland aktuell überproduziert wird. Wasserstoff wird so zum Energiespeicher für Strom, der sonst nicht verwendet werden könnte. „Dabei ist Wasserstoff ungefährlicher als Gas“, erklärt Will, während er den Jugendlichen zeigt wie ein Bus mit Wasserstoff betankt wird. Gäbe es ein Leck, würde der Wasserstoff sich nach oben verflüchtigen und mit dem Sauerstoff verbinden. „Entzündlich ist Wasserstoff nur in engen Räumen“, sagt Will.

„Wir reparieren hier alles, was auf den Schienen der U-Bahn fährt“

Die Jugendlichen sind sehr interessiert an der gezeigten Technik und stellen viele Fragen. Die meisten sind dabei, weil sie sich vorstellen können, später einmal in diesem Bereich zu arbeiten. „Ich möchte Ingenieur werden und interessiere mich einfach sehr für Technik“, sagt zum Beispiel Daniela, die für das Studium aus Kolumbien nach Hamburg gekommen ist. Auch der zweite Programmpunkt des Tages begeistert die Gruppe: Ein Besuch in den U-Bahn-Werkstätten der Hochbahn. Hier in Barmbek wurde 1910 die erste Hamburger U-Bahn auf die Schiene gebracht. Auch heute noch geht ohne die Fachkräfte der Werkstätten nichts: „Wir reparieren hier alles, was auf den Schienen der U-Bahn fährt“, erklärt Ausbildungsmeister Jens Schönwandt. Während der Tour über das weitläufige Gelände erfahren die Jugendlichen vieles über Wartung und Reparatur, Reinigung und Technik der unterschiedlichen U-Bahn-Typen. Die ganze Gruppe ist beeindruckt von dem großen Aufwand, der nötig ist, um den U-Bahn-Betrieb am Laufen zu halten.

Auch die Erklärungen und die vielen lustigen Anekdoten von Ausbildungsmeister Schönwandt kommen an. „Besonders spannend finde ich den Hanseaten“, schwärmt Timon über einen von Auszubildenden umgebauten Zug mit eigener Bar, der für Feiern gemietet werden kann. Er selbst könne sich sehr gut vorstellen hier eine Ausbildung zu machen. Dann wäre er einer von zehn Azubis, die Ausbildungsmeister Schönwandt hier jedes Jahr zum Start der dreieinhalb jährigen Ausbildung begrüßt. Neben einem guten Schulzeugnis und Interesse an Technik muss man dafür aber vor allem eines mitbringen, weiß Schönwandt: „Ein gutes Sozialverhalten ist auf jeden Fall wichtig. Das prüfen wir auch mit einer Gruppenaufgabe während des Einstellungstests.“ Denn eines sei klar: Hamburg bewege man nur im Team. Vielleicht gehört auch bald einer der neugierigen Jugendlichen dazu.

Foto: Hochbahn

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