Winterstiefel statt High Heels: Flüchtlingshelfer öffnen Second Hand-Shop

Titelfoto: Paul Steffen
Stadtgespräch
Marvin Mertens
@MarvMertens

Ressortleitung Stadtgespräch | Kontakt: mertens@hh-mittendrin.de

Shoppen und damit etwas Gutes tun? Das geht im Kleiderkammer-Store „Hanseatic Heels“, den Messehallen-Helfer am Montag im Karoviertel eröffnen. In dem Laden wird all das verkauft, wofür Flüchtlinge keine Verwendung haben – der Erlös fließt in die Flüchtlingshilfe.

Tonnenweise Jacken, Schuhe, Hosen, Unterwäsche, aufgestapelt in hunderten Kartons. Was wie ein riesiges Versandzentrum aussieht ist seit Monaten die zentrale Anlaufstelle für Hunderte Spender am Tag: Die Kleiderkammer in den Hamburger Messehallen. Ehrenamtliche Helfer sortieren Kleiderspenden und Hygieneartikel vor Ort und verteilen sie an Zentrale Erstaufnahmestellen und Folgeunterkünfte für Flüchtlinge. Auch das Winternotprogramm oder die Hamburger Frauenhäuser profitieren von der Kleiderkammer. Doch nicht alle Kleidungsstücke, die abgegeben werden, entsprechen dem Bedarf.

zu sexy Kleiderkiste in Messehalle - Paul SteffenDer Winter kommt, benötigt werden jetzt vor allen Dingen warme Winterstiefel und Winterjacken. „Unser Bestand an Winterkleidung ist sehr klein“, sagt Dominik, der seit August als Helfer in den Messehallen dabei ist. „Dafür haben wir hier mehrere Paletten mit High Heels, die wir nicht verteilen können.“ Damit keine Kleiderspenden in den Messehallen untergehen, hat sich der Verein Hanseatic Help, der aus der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe der Messehallen hervorgegangen ist, etwas ausgedacht: Einen Second-Hand-Laden.

Der Kleiderkammer-Shop eröffnet am Montag

Am Montag, 7. Dezember, wollen Dominik und seine Mitstreiter den Kleiderkammer-Store „Hanseatic Heels“ an der Glashüttenstraße 108 eröffnen. Die Räumlichkeiten werden den Messehallen-Helfern gegen einen kleinen Obolus zur Verfügung gestellt. „Dort wollen wir die Kleidung verkaufen, die in den Unterkünften und Zentralen Erstaufnahmestellen nicht benötigt wird. Das kann ein Abendkleid aber eben auch ein Paar High Heels sein.“ Von dem Erlös sollen dann Winterstiefel für die Flüchtlinge gekauft werden. Shoppen und gleichzeitig Flüchtlinge unterstützen also.

Flüchtlinge Messehallen, Foto: Nadia Hafez

Die Kleiderkammer in den Messehallen nimmt grundsätzlich erst einmal alle Spenden an, egal ob diese nun gerade akut gebraucht werden oder nicht. Besonders Herrenbekleidung und Schuhe werden benötigt, vor allem kleine Größen sind gefragt. „Wir brauchen Klamotten in den Größen S und M und Schuhe in den Größen 40 bis 43“, sagt Dominik. High Heels und Designer-Mode entsprechen allerdings nicht dem Bedarf und wandern deshalb aus der Kleiderkammer in den Shop im Karoviertel. „Manche Stücke sind einfach zu sexy oder aus religiösen Gründen nicht als Kleiderspenden geeignet“, sagt Dominik.

Ehrenamtliche Second-Hand-Heel-Verkäufer

Flüchtlinge Messehallen, Foto: Nadia Hafez
„Wir wollen nicht auf den Sachen sitzen bleiben“, sagt Marcel, der sich ebenfalls schon lange in den Messehallen engagiert und den Kleiderkammer-Store mit Dominik gemeinsam betreiben wird. „Ich finde, ehrenamtlicher Second-Hand-High-Heel-Verkäufer ist eine ziemlich coole Berufsbezeichnung. Die schreibe ich in meinen Lebenslauf“, sagt er mit einem Zwinkern. Die ungebrauchten Kleidungsstücke sollen trotzdem wertgeschätzt werden. „Wir wollen mit dem Verkauf einen Nutzen aus den Dingen ziehen, die die Kleiderkammer nicht gebrauchen kann. Denn das Geld fließt wiederum in die Flüchtlingshilfe“, sagt Dominik.

 Der Kleiderkammer-Store „Hanseatic Heels“ eröffnet am Montag, 7. Dezember. Der Second-Hand-Laden wird montags bis samstags von 13 bis 20 Uhr geöffnet sein. Ihr findet den Kleiderkammer-Store an der Glashüttenstraße 108 im Karoviertel.

Nach wie vor arbeiten die vielen Helfer in den Messehallen, wie überall in der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich. Sie investieren Zeit und Kraft, um Menschen, die vor Krieg und Terror geflohen sind, zu helfen – ohne dafür etwas zu bekommen. Acht bis zwölf Stunden packen die Dominik und Marcel und Hunderte weitere Hamburger täglich mit an. Ohne sie wäre die Situation am Hauptbahnhof, in den Folgeunterkünften und Erstaufnahmestellen sicher eine andere.

Titelbild: Marvin Mertens, Fotos im Text Paul Steffen (1), Nadia Hafez (2)
Kommentare anzeigen (1)

1 Kommentar

  1. Inge Lechner

    3. Februar 2016 at 11:28

    Hallo Hamburg!
    Wie läuft der Laden? Könnt ihr uns Tipps geben, was wir tun müssen, wenn wir sowas in einer großen NUK in Berlin eröffnen wollen? Ist „POP up“ das Geschäftsmodell?
    Dankbar für Infos und liebe Grüße aus Berlin!
    Inge

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