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Lampedusa-Unterstützer demonstrieren am Freitagabend

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Annika Lasarzik
@miracledrug

Ressortleiterin Politik I Studium der Politikwissenschaft, Journalistik und Kommunikationswissenschaft in Hamburg und Bordeaux I Kontakt: lasarzik@hh-mittendrin.de

Rund 700 Menschen haben sich am Freitagabend zu einer spontanen Demonstration im Schanzenviertel versammelt, um für ein Bleiberecht der Lampedusa-Flüchtlinge zu demonstrieren. Hintergrund war die umstrittene Räumung eines Sitzstreiks der Lampedusa-Gruppe am Donnerstagabend.

“Kein Mensch ist illegal, Bleiberecht überall”: Die bekannte Parole der Lampedusa-Unterstützer wurde am Freitag durch einen weiteren Schlachtruf ergänzt.“Ganz Hamburg hasst die Polizei” schallte es immer wieder durch die Straßen im Schanzenviertel – einen Tag nach der Räumung einer friedlichen Sitzblockade der Flüchtlinge auf dem Rathausmarkt stand die Kritik am Vorgehen der Polizei im Fokus.

DemonstrantInnen: Laut, aber friedlich

Ohne Anmeldung versammelten sich gegen 20 Uhr zunächst etwa 400 Personen rund um den Neuen Pferdemarkt. Die AktivistInnen fanden sich in Kleingruppen zusammen und formierten sich schließlich zu einem geschlossenen Demonstrationszug, der sich in Richtung der Roten Flora bewegte. In den vorderen Reihen wurden Böller entzündet, die Demonstration verlief dabei laut, aber friedlich. Vor der roten Flora wurde der Protestzug schließlich gestoppt – eine Durchsage der Polizei forderte die DemonstrantInnen dazu auf, das Entzünden von Pyrotechnik zu unterlassen und eine Demonstration offiziell anzumelden. Da sich jedoch kein Veranstalter finden ließ, wurde die Demonstration von Seiten der Polizei aufgelöst – dabei wurden auch “Schaulustige und Unbeteiligte” dazu aufgefordert, das gesamte Schanzenviertel zu verlassen. Da die AktivistInnen dieser Forderung nicht nachkamen, wurde ein Teil der Demonstration kurzzeitig in der Susannenstraße festgesetzt, der Polizeikessel wurde jedoch nach etwa 20 Minuten wieder aufgelöst.

Proteste bis in den späten Abend

Die Demonstration, welche zwischenzeitig laut Polizeiangaben 700 TeilnehmerInnen zählte, bewegte sich daraufhin zum Neuen Pferdemarkt zurück.  Eine Fortsetzung der Demonstration durch die Budapester Straße wurde dort durch einen Wasserwerfereinsatz verhindert – es flogen Flaschen und Steine, die Lage beruhigte sich jedoch schnell wieder. Anschließend versammelten sich rund 400 AktivistInnen erneut in Kleingruppen auf dem Neuen Pferdemarkt – vereinzelt kam es dabei zu Auseinandersetzungen zwischen AktivistInnen und Polizeibeamten. Im Verlauf des Abends kam es zu weiteren spontanen Demonstrationen mit bis zu 500 TeilnehmerInnen, diese wurden von der Polizei unter anderem durch Wasserwerfereinsätze zerstreut.  Dabei gab es an der Straßenkreuzung Reeperbahn/Holstenstraße einen großen Wasserwerfereinsatz, widerum flogen Steine und Flaschen in Richtung der Beamten.  Eine andere spontane Demonstration wurde in der Chemnitzstraße durch die Bildung eines Kessels gestoppt. Dabei wurden einige der etwa 100 Personen in Gewahrsam genommen. Die Proteste zogen sich noch bis in die späten Abendstunden hin, verstreuten sich dabei jedoch im gesamten Schanzenviertel und auf St Pauli. Insgesamt wurden im Laufe des Abends 49 Personen in Gewahrsam genommen, die jedoch am Samstagmorgen bereits wieder auf freiem Fuß waren.

Auslöser: Räumung der Sitzblockade

Der erneute Protest entzündete sich an der gewaltsamen Räumung eines Protests der Lampedusa-Flüchtlinge am Donnerstag: Bei einer spontanen Versammlung am Donnerstagnachmittag hatten rund 50 Flüchtlinge den Platz vor dem Hamburger Rathaus besetzt, um mit einem stillen Protest für ein dauerhaftes Bleiberecht in der Stadt zu demonstrieren. Als die DemonstrantInnen trotz Aufforderung der Polizei den Platz nicht verließen, setzten die Beamten Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Während es offiziellen Angaben der Polizei zufolge keine Verletzten gegeben habe, sprechen die Bilder verschiedener Fotografen und zahlreiche Zeugenaussagen – darunter auch zwei RedakteurInnen von Mittendrin – für sich: Demzufolge spielten sich brutale Szenen auf dem Rathausmarkt ab, mehrere Flüchtlinge und Unterstützer wurden im Laufe des Gerangels verletzt.

Fotos: Tobias Johanning

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