Politik

Esso-Häuser: Rückkehr wahrscheinlich unmöglich

Politik
Annika Lasarzik
@miracledrug

Ressortleiterin Politik I Studium der Politikwissenschaft, Journalistik und Kommunikationswissenschaft in Hamburg und Bordeaux I Kontakt: lasarzik@hh-mittendrin.de

Nach der überraschenden Evakuierung der einsturzgefährdeten Esso-Häuser in der Nacht zu Sonntag ist nun eines sicher: Die BewohnerInnen können wahrscheinlich nicht zurück. Eine finanzielle Entschädigung wird es nicht geben.

“Wir wussten alle, dass sich die Gebäude in einem kritischen Zustand befinden – doch die Ereignisse der letzten Nacht weisen darauf hin, dass die Lage deutlich schlimmer ist als bisher angenommen.“ Die Worte von Bezirkamtsleiter Andy Grote während einer Pressekonferenz am Sonntag sind deutlich: Eine Rückkehr in ihre Wohnungen in den Esso-Häusern wird für die MieterInnen wahrscheinlich nicht möglich sein. Nachdem in der Nacht verschiedene Hinweise von BewohnerInnen auf ein Beben im Gebäude bei der Polizei eingingen und daraufhin 75 der insgesamt 100 MieterInnen in einer Notunterkunft untergebracht worden waren, begutachtete heute Nachmittag ein Statiker das Innere des Gebäudes. Sichtbare Schäden seien dabei zwar nicht erkennbar gewesen, sagt Andy Grote. Die Untersuchung deute jedoch darauf hin, dass eine weitere Bewohnung des Gebäudes aufgrund akuter Einsturzgefahr nicht möglich sei. Eine gründliche statische Überprüfung in der kommenden Woche soll endgültige Gewissheit bringen, aber die Chancen, dass die Einschätzung des Bauprüfamtes sich ändert, stehen schlecht. Am Sonntagnachmittag wurden die MieterInnen daher in ihre Wohnungen begleitet, um persönliche Gegenstände herauszuräumen. Auch in den kommenden Tagen wird es möglich sein in Begleitung der Polizei Sachen aus den Wohnungen zu holen. Auf dem Spielbudenplatz wurde in der Zwischenzeit ein Info-Zelt für alle Betroffenen eingerichtet. Andy Grote äußerte sein Bedauern zur schnellen Evakuierung: “Wir hätten uns sicher einen anderen Auszug gewünscht – darum hatten wir die Nicht-Bewohnbarkeit der Gebäude ursprünglich erst zum 30. Juni 2014 festgelegt.” Aufgrund der aktuen Gefährdung sei jedoch sofortiges Handeln notwendig.

Eine Abrissgenehmigung liegt derzeit noch nicht vor, dies werde jedoch voraussichtlich Anfang des Jahres der Fall sein, so Andy Grote weiter. Ob aufgrund der neuen Situation auch ein früherer Absrisstermin folgen wird, ist derzeit nicht bekannt.

Oberste Priorität habe nun die Klärung der Wohnsituation der bisherigen MieterInnen: Diese werden vorübergehend in Hotels und Pensionen untergebracht, die langfristige Unterbringung ist allerdings noch nicht geklärt. Unsicher ist auch die Zukunft des Molotow: Grote sicherte dem Musikclub die Unterstützung des Bezirks bei der Suche nach einer neuen Unterkunft zu – die nun wohnungslosen MieterInnen hätten jedoch Vorrang vor den Gewerbetreibenden.

Eine finanzielle Entschädigung durch die Eigentümer-Gesellschaft Bayerische Hausbau wird es übrigens nicht geben: “Die Gebäudeschäden sind bereits entstanden, als die Esso-Häuser noch nicht in unserem Besitz waren”, sagt Sprecher Bernhard Taubenberger.

AktivistInnen der Initative Esso-Häuser werfen der Bayerischen Hausbau hingegen vor, die Gebäude massiv und vorsätzlich verfallen lassen zu haben. Die Initiative hat bereits ihren Protest angekündigt und zu einer Demonstration am Sonntagabend um 18 Uhr vor den Esso-Häusern aufgerufen. Statt die Gebäude in Privatbesitz zu lassen soll es eine genossenschaftliche Lösung geben. Die Bezirkspolitik will sich dafür einsetzen, dass für den Ersatzneubau sozial verträgliche Bedingungen für die MieterInnen Garantiert werden. „Der Voreigentümer hat seine Instandhaltungspflicht offenbar sträflich vernachlässigt. Wenn es aber um die Sicherheit der BewohnerInnen und ClubbesucherInnen geht, kann es keine Kompromisse geben“, sagt Falko Droßmann, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Jetzt heißt es nach vorne zu schauen und eine stadtteilgerechte und vor allem soziale Neubaulösung zu finden“, so Droßmann weiter.

Titelfoto: Jonas Walzberg

Kommentare anzeigen (2)

2 Kommentare

  1. Ralf

    15. Dezember 2013 at 18:53

    Wer hat sich denn diese Schmierenkomödie ausgedacht? Ein parzielles Erdbeben in den Essohäusern und in der Tanke? Da wurde wohl Kohle zu den AnruferInnen rübergeschoben, um per Telefon das parzielle Erdbeben zu „melden“. Gelungene Taktik, Häuser geräumt, die Verschandelung durch Neubauten kann beginnen. Könnte das abkotzen kriegen!!!

  2. Pingback: Nur noch eine Stunde, nur noch einen Tag. | Les Flâneurs

Artikel kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Mehr in Politik

Demonstration Golden Pudel, 19.2.2016, Foto: Isabella David

Demo für den Pudel Club: „Unsere Ruine kriegt ihr nicht!“

Isabella David20. Februar 2016
1-Michael_Neumann_SPD1

Innensenator Neuman tritt zurück – Grote wird Nachfolger

Isabella David18. Januar 2016
Winternotprogramm Münzviertel, Oktober 2015, Foto: Isabella David

Petition an die Sozialbehörde: „Das Winternotprogramm tagsüber öffnen!“

Isabella David8. Januar 2016
Tegida Demo Januar 2015, Foto: Henry Lührs

Anpacken statt lang schnacken – das war 2015 in Hamburg-Mitte

Isabella David31. Dezember 2015
Tagesstätte für Geflüchtete, Bieberhaus, Foto: Isabella David

Tagesstätte für Geflüchtete im Bieberhaus: „Vieles ist improvisiert“

Isabella David17. Dezember 2015
Schulstreik 2013, Foto: Dominik Brück

Schüler demonstrieren: „Bleiberecht statt Waffenexporte“

Isabella David17. Dezember 2015
Hosemann, City-Hof, Foto: Isabella David

Interview: „Dem City-Hof ein Denkmal setzen“

Isabella David10. Dezember 2015
FOTO: POLITIKWERFT DESIGNBÜRO

„Basta-Politik gescheitert“: Scholz nach Olympia-Referendum in der Kritik

Isabella David9. Dezember 2015
Olympia in Hamburg

Diskussion: Olympia in Hamburg – ja oder nein?

Mittendrin27. November 2015

Rund um Billstedt, Billbrook und Horn atmet die grüne Lunge der Stadt. In Hamm, Rothenburgsort, Borgfelde, Hammerbrook, St.Georg, der Alt- und Neustadt, und auf St. Pauli riecht und schmeckt man Hamburg an jeder Straßenecke. Die Hafencity glänzt und glitzert im Schatten der dicken Pötte und Kräne.

Die andere Seite der Elbe auf der Veddel, in Wilhelmsburg, auf dem Kleinen Grasbrook, in Steinwerder, Waltershof, Finkenwerder und auf der Insel Neuwerk lässt hanseatische Tradition spürbar werden.

Das ist Hamburg-Mitte, unser Bezirk inmitten einer lebhaften Stadt. So vielfältig wie seine Bewohner sind die Geschichten, die wir erzählen.

Mittendrin ist Name und Programm – täglich sind wir unterwegs und bringen euch spannende Reportagen, aktuelle Lokalnachrichten und ausdrucksstarke Bilder und Videos aus Hamburgs bunter Mitte.

Hamburger Geschichten

© 2012 - 2015 Mittendrin | Alle Rechte vorbehalten. Impressum - Umsetzung Politikwerft Designbüro.