Politik

Bundestagswahl: Die Direktkandidaten für Hamburg-Mitte

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Isabella David
@isabelladavid89

Chefredakteurin | Studentin der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg | Kontakt: david@hh-mittendrin.de

Am Sonntag, den 22. September 2013 finden die Wahlen zum 18. Deutschen Bundestag statt. Während mit der Zweitstimme die Sitzverteilung der Parteien im Bundestag festgelegt wird, werden mit der Erststimme die Direktkandidaten für den Wahlkreis bestimmt. Mittendrin stellt im Folgenden die Direktkandidaten für den Wahlkreis 18 vor.

Zum Wahlkreis 18 gehören der Bezirk Hamburg-Mitte ohne Wilhelmsburg, Barmbek-Nord und Barmbek-Süd, Dulsberg, Hohenfelde, Uhlenhorst und Eilbek. Von 2002 bis 2009 trug der Wahlkreis die Nummer 19. Wilhelmsburg bildet gemeinsam mit Bergedorf und Harburg den Wahlkreis 23.

Bei der Bundestagswahl 2009 waren im Wahlkreis 19 (jetzt 18) 252. 967 Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt. Bei der letzten Bundestagswahl lag die Wahlbeteiligung in Hamburg-Mitte bei 66,1 Prozent. Als Direktkandidaten sind seit 1965 nur Kandidaten der SPD in den Bundestag eingezogen. Bei den Wahlen 1998, 2002, 2005 und 2009 erhielt Johannes Kahrs (SPD) das Direktmandat für den Bundestag.

Johannes Kahrs – Zum fünften Mal in den Bundestag?

Seit über 15 Jahren sitzt Johannes Kahrs (SPD) für den Wahlkreis Hamburg-Mitte im Deutschen Bundestag. Auch in diesem Jahr wird Kahrs wieder in Hamburg-Mitte antreten.  „Ich freue mich über die Chance, weiterhin den schönsten, einwohnermäßig größten und spannendsten Wahlkreis Deutschlands zu vertreten. Ich werde mit ganzer Kraft darum kämpfen, den ehemaligen Wahlkreis von August Bebel wieder für die SPD zu gewinnen. Dies ist ein wichtiger Beitrag, die schwarz-gelbe Regierung abzulösen“, so Kahrs.  Geboren wurde der SPD-Politiker 1963 in Bremen. Seine Eltern, Bringfriede Kahrs und Wolfgang Kahrs, bekleideten beide politische Ämter für die SPD in Bremen. Johannes Kahrs selbst trat 1982 in die SPD ein. Nach dem Abitur ging er zunächst zur Bundeswehr und ist seit 2007 Oberstleutnant der Reserve. Nach dem ersten Staatsexamen der Rechtswissenschaften nahm Kahrs eine Stelle bei der SAGA an, in der er zuletzt als Stabsstellenleiter tätig war. Von 1993 bis 1998 gehörte Kahrs der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte an, in der er seit 1994 Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses war. 1998 wurde Kahrs erstmals in den Bundestag gewählt. Trotz seines Ausscheidens aus der Bezirksversammlung gehörte er dem Jugendhilfeausschuss in Hamburg-Mitte weiterhin als Vorsitzender an. Nach dem Methadon-Tod der elfjährigen Chantal und dem damit verbundenen Rücktritt des Bezirksamtsleiters Markus Schreiber (SPD) gab Kahrs des Vorsitz des Ausschusses nach 18 Jahren ab.

Kahrs ist im Bundestag Mitglied im Haushaltsausschuss, im Rechnungsprüfungsausschuss, im Ältestenrat und in der Enquetekommission Internet und digitale Gesellschaft. Von 1998 bis 2002 war Johannes Kahrs Mitglied des Verteidigungsausschusses. Heute ist er weiterhin stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss sowie im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Seit 2008 ist Kahrs Beauftragter für die Belange von Lesben und Schwulen in der SPD-Bundestagsfraktion. Selbst hat der SPD-Politiker seine Homosexualität nach seiner Wahl in den Bundestag 1998 öffentlich gemacht. In den Medien ist Johannes Kahrs, Sprecher des Seeheimer Kreises, vor allem immer wieder für seine Nähe zur Rüstungslobby in die Kritik geraten. Im Zentrum der Kritik stand mehrfach der Vorwurf von Parteispenden von Rüstungsunternehmen an die SPD Hamburg-Mitte. Bei der letzten Bundestagswahl wurde Johannes Kahrs mit 34,5 Prozent der Stimmen als Direktkandidat für den Wahlkreis in den Bundestag gewählt.

Die CDU – von der Elbe an die Spree?

Für die CDU tritt im Wahlkreis Hamburg-Mitte bei der Bundestagswahl 2013 Dirk Marx an. Der CDU-Politiker wurde 1965 in Hamburg geboren. Nach dem Abitur studierte Marx in Hamburg Betriebswirtschaftslehre und übernahm 1992 den Betrieb seiner Familie. Schon seit 1948 war sein Großvater auf dem Hamburg Fischmarkt vertreten. Bis heute steht Dirk Marx dort jeden Sonntagmorgen. Der selbständige Kaufmann ist Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Marktkaufleute. Die politische Karriere des Hamburgers begann 1988 mit dem Eintritt in die CDU. Seit 2006 wohnt Dirk Marx auf St. Pauli und seitdem auch stellvertretender Ortsvorsitzender der CDU St. Pauli. Seit zwei Jahren ist Marx außerdem stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU in Hamburg-Mitte. Bereits seit 2009 sitzt der CDU-Politiker in verschiedenen Ausschüssen der Bezirksversammlung. „Mit Dirk Marx haben wir eine kompetente Führungspersönlichkeit als Bundestagskandidaten, der sich seit Jahren für den Bezirk Hamburg-Mitte erfolgreich einsetzt“, betont die CDU-Kreisvorsitzende Dr. Herlind Gundelach. „Ich will einen Politikwechsel in Hamburg-Mitte erreichen“, sagt Dirk Marx.  Bei der letzten Bundestagswahl trat David Erkalp für die CDU in Hamburg-Mitte an und erhielt 26,5 Prozent der Stimmen.

 

Die Grünen – aus der Bürgerschaft in den Bundestag?

Für die Grünen tritt im Wahlkreis 18 die Bürgerschaftsabgeordnete Katharina Fegebank an. Fegebank wurde Ende Januar von der Wahlkreisversammlung der Grünen in Hamburg-Mitte mit 100 Prozent der Stimmen zu Direktkandidatin im Wahlkreis 18 gewählt. „Wir freuen uns über dieses sehr gute Ergebnis und werden mit unserer Kandidatin einen kraftvollen und eigenständigen Bundestagswahlkampf in Hamburg-Mitte machen“, sagt Claudius Lieven, Vorsitzender des Kreisverbandes Hamburg-Mitte. „Wir werden die kommenden Monate nutzen, um gemeinsam für die Ablösung von schwarz-gelb in Berlin zu kämpfen“, sagt die Kandidatin selbst. Katharina Fegebank wurde 1977 in Bad Oldesloe geboren. Sie hat Politikwissenschaft, Öffentliches Recht und Anglistik sowie Europawissenschaften in Freiburg und Berlin studiert. Neben ihrem politischen Engagement ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Präsidium der Leuphana Universität Lüneburg. 2008 wurde Fegebank zur Vorsitzenden der GAL in Hamburg gewählt. Bei der Bundestagswahl 2009 trat sie als Direktkandidatin im Wahlkreis Hamburg-Altona sowie auf Platz drei der Landesliste an. Bei der Bürgerschaftswahl 2011 wurde sie im Wahlkreis Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Langenhorn in die Bürgerschaft gewählt. Bei der Bundestagswahl 2009 trat für die Grünen in Hamburg-Mitte Farid Müller an und erhielt 16,5 Prozent der Stimmen.

Die Piratenpartei – nach dem Bezirk den Bundestag entern?

Für die Piratenpartei tritt im Wahlkreis 18 der Bezirksabgeordnete Michael Büker an. Der 24-Jährige ist in Niedersachsen aufgewachsen. Für sein Physikstudium kam er 2005 nach Hamburg. Dieses schließt er gerade mit seiner Diplomarbeit ab. Seit Mitte 2009 ist Büker in der Piratenpartei und wurde 2011 in die Bezirksversammlung gewählt. „Ich trete an um zu zeigen, dass auch große Politik durchschaubar, nachvollziehbar und ehrlich gemacht werden kann“, sagt Michael Büker. „Es muss mehr Transparenz herrschen, etwa bei der Offenlegung von Nebeneinkünften der Abgeordneten, Verbindungen zu Interessenverbänden oder Spenden an Parteien“, so Büker weiter. Die Piratenpartei tritt bei der Bundestagswahl 2013 erstmals in allen Hamburger Wahlkreisen an.

FDP – Erfolg wider dem Bundestrend?

Für die FDP tritt in Hamburg-Mitte Dr. Najib Karim an. Der Kandidat wurde 1973 in Kabul in Afghanistan geboren. Gemeinsam mit seiner Familie kam er 1979 nach Hamburg. Nach dem Abitur 1991 am Gymnasium Langenhorn studierte er Biochemie in Hannover. Seitdem arbeitet Najib Karim als Wissenschaftler in der medizinischen Forschung, als Unternehmens- und Wissenschaftsberater sowie als Dozent und Lehrer. In der FDP Hamburg war er gesundheits-, umwelt- und verbraucherpolitischer Sprecher und Europabeauftragter und ist jetzt stellvertretender Landesvorsitzender. Er ist Mitverfasser des Hamburger Manifestes für einen sozialen Liberalismus und engagiert sich beispielsweise im Hamburger Rat für nachhaltige Entwicklungspolitik und im Weißen Ring. „Ich möchte mich für Hamburg-Mitte im Bundestag dafür einsetzen, dass Freiheit und Selbstbestimmung der Bürger nicht von Herkunft, Geschlecht, Reichtum und Einkommen abhängig sein dürfen“, sagt Dr. Najib Karim. Bei der Bundestagswahl 2009 trat für die FDP in Hamburg-Mitte Lothar Hänsch an und erhielt 7,8 Prozent der Stimmen.

Die Linke – Plenardebatte statt Uni-Hörsaal?


Die Linke schickt mit Prof. Dr. Jochen Hanisch einen Hochschullehrer in das Rennen um das Direktmandat in Hamburg-Mitte. Prof. Hanisch hat zehn Jahre lang an der TU Berlin gelehrt und als freiberuflicher Umwelt-Gutachter gearbeitet. Der 64-jährige hat sich auf Umweltverträglichkeitsprüfungen spezialisiert. In Hamburg tritt Jochen Hanisch mit dem Ziel an die nachhaltige und umweltverträgliche Entwicklung einer sozial gerechten Gesellschaft zu fördern. „Soziale Gerechtigkeit ist immer auch ökologische Gerechtigkeit. Ich setze mich dafür ein, dass der alte Gegensatz von Ökonomie und Ökologie überwunden wird“, sagt Hanisch. Weiterhin will der Direktkandidat der Linken die Rekommunalisierung öffentlicher Aufgaben, wie Bildung, Wohnungsbau oder Energie- und Wasserversorgung, unterstützen. Bei der Bundestagswahl 2009 trat für die Linke in Hamburg-Mitte Joachim Bischoff an und erhielt 6,1 Prozent der Stimmen.

Hier geht es zu den Ergebnissen der Direktkandidaten bei den Bundestagswahlen 2009 und 2005 in Hamburg-Mitte.

Bildrechte:

Titelbild: By Cezary Piwowarski (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html),  via Wikimedia Commons http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berlin_reichstag_CP.jpg

Wahlkreise: Wahlkreise by Dominik Brück, Karte by TUBS [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)  via Wikimedia Commons http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Elbische_Stadtteile_in_HH.svg

Johannes Kahrs: Johannes Kahrs

Dirk Marx: Dirk Marx

Katharina Fegebank: Grüne Hamburg

Michael Büker: Michael Büker

Dr. Najib Karim: FDP Hamburg

Prof. Dr. Jochen Hanisch: Die Linke Hamburg

Kommentare anzeigen (2)

2 Kommentare

  1. Stefan Füsers

    4. August 2013 at 20:53

    Der Artikel lässt einige Kandidaten aus. Unter anderem kann man auch mich wählen.

    Lieben Gruß
    Stefan Füsers

    • Mittendrin

      Mittendrin

      9. August 2013 at 07:51

      Lieber Herr Füsers,

      es stimmt, dass wir Direktkandidaten von sehr kleinen Parteien oder parteilose Kandidaten bisher nicht vorgestellt haben. Wir haben uns bei der Auswahl an den Parteien orientiert, die auch in der Bezirksversammlung vertreten sind. Wir bemühen uns jedoch auch die übrigen Kandidaten noch vorzustellen.

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